Was bringt das Web 3.0?

Eine vielversprechende Überschrift, die vielleicht auch etwas überheblich klingen mag. Immerhin bin ja nicht ich es, der bestimmt wo das Web 2.0 aufhört und das Web 3.0 anfängt.

Aber ich denke jeder ist damit einverstanden wenn ich sage, dass wir uns im Web 2.0 befinden, dem Web des “user generated contents”, des (Micro)-Bloggings und der Social Networks. Ebenso wird mir keiner der Auffassung widersprechen, dass sich seit dem Beginn des Web 2.0 einiges getan hat. Offiziell “releast” wurde die Neufassung des Internets im Jahre 2004. Seitdem ist Facebook aus dem Nichts gewachsen, Twitter ist im Mainstream angekommen und neuartige Schlagworte wie Cloud Computing, Semantic Web oder Livestream machen die Runde in der Blogosphäre.

Ich frage mich daher: Sind wir nicht schon längst im Web 3.0 angekommen?

Um diese Frage zu beantworten, müsste man erst einmal klären: Was unterscheidet das heutige Web mit dem, vor vier Jahren? Zur Veranschaulichung (und damit der Text nicht ganz so wuchtig wirkt) nenne ich dazu drei entscheidene Stichpunkte:

1. Semantisches Web
2. Mehr Informationen in kleineren Häppchen
3. Flüssigeres Surfen durch Echtzeit-Applikationen

Da der erste Punkt imho der entscheidenste ist, möchte ich die entsprechenden Erläuterungen von hinten anfangen.
Mit “flüssigerem Surfen” meine ich, dass der Nutzer sich nicht durch Links von einer Seite zur nächsten klickt sondern, dass durch Techniken wie AJAX bei Bedarf Inhalte nachgeladen werden. Mit Twitter erhielt außerdem “Echtzeit” einen echten Durchbruch. Sofort und überall zu sehen, was die Freunde machen oder worüber sie nachdenken, war für viele zuerst verwirrend aber nach und nach verstanden sie, was für Möglichkeiten sich dadurch erschlossen.


Durch die Revolution des Facebook’schen Newsfeeds ist Echtzeit kürzlich nun auch im “echten” Mainstream angekommen. Auf nur einer Seite kann der Nutzer nun die Gedanken, Artikel und Handlungen von vielen verschiedenen Personen sehen. Und weil ein ellenlanger Blog-Artikel einfach nicht in diese Welt von kleinen Informations-Stückchen hineinpasst, wurde Micro-Blogging erfunden.
140 Zeichen. Wenn man grad mal nicht weiß, mit wem man darüber reden soll, postet man es einfach auf Twitter und hofft auf ein Reply-Tweet (oder auch nicht und man lässt diesen Gedankenfetzen einfach in der Twittersphäre verpuffen). Ist ein Link zu lang, wird er mithilfe eines weiteren Webservices geschrumpft und wenn ein weiterer Satz nicht mehr reinpasst, begnügt man sich mit ein paar Hashtags. Wem diese Konzentration von Informationen noch nicht reicht, der kann ja mal den neuesten Schrei - Nanoblogging - ausprobieren. (Sehr amüsant fand ich auch diesen Dienst..)

Ok, bevor ich hier eine Diskussion über den Sinn und Unsinn von Twitter lostrete (auf meinem viel kommentierten Blog öhm..), möchte ich lieber noch einmal die Kernaussage von Punkt 2 zusammenfassen: Große Texte sind out, kleine Häppchen in. Wer hat denn noch die Zeit, seine 100 abonnierten RSS-Feeds alle zu lesen? Da wird mal eben durchgesehen, ob was interessantes dabei ist und wenn ja, der entsprechende Text zum späteren Lesen auf dem Handy gespeichert. (Echte Nerds lassen sich sowas selbstverständlich zeit-optimiert während des Zähne putzens von Onkel Sam vorlesen)
Das Problem bleibt: Wie bekomme ich möglichst viele Informationen bei wenig Text? Und vor allem: Wie bekomme ich in der riesigen Flut von Tweets, Posts & Podcasts auch nur die Informationen, die ich haben möchte?

Ganz einfach: Durch semantische, lernende und individuelle Filter. Die bisherigen Möglichkeiten zur Filterung von Newsfeeds und Livestreams sind noch viel zu funktionsarm und simpel als das sie eine wirklichere Bereicherung für den Nutzer darstellen könnten. Wie intelligent und komplex Filter mithilfe von Datenbanken und Algorithmen werden können, sieht man schon seit mehreren Jahren bei Email-Spam-Filtern.
Meine Vermutung ist, dass nun der Trend zu NonSpam-Filtern geht, also Software die weiß, welche Informationen der Nutzer wann und in welcher Form haben möchte. Simples Beispiel: Man lernt auf einem Schulaustausch oder im Büro jemanden kennen, der einen kurz darauf auf Facebook als Freund hinzufügt. Selbstverständlich nimmt man die Freundesanfrage an, doch hat man nun massenweise Status-Meldungen in seinem Newsfeed von jemanden, den man kaum kennt und auch nicht näher kennenlernen möchte. Da hat Facebook zum Glück mitgedacht und eine “Verbergen”-Funktion entwickelt, die genau so ein Problem behebt: Alle nervigen “ich geh jetz mal schlafen, war ‘n harter Tag”-Meldungen der besagten Person verschwinden.

Leider ist dieses Konzept der individuellen Filterung noch längst nicht überall angekommen. Bei Twitter beispielsweise sucht man vergebens nach solchen Funktionen. Die Following-Kontakte lassen sich nicht einmal in Gruppen einsortieren!
Aufgrund der stetig wachsenden Menge von Informationen würde mich eine baldige Neuerung des “Neuigkeiten-Protokolls” RSS nicht wundern. Vorsichtige Prognose: In RSS 3.0 lassen sich mehrere Kategorien (evtl. auch Autoren) auswählen, zu denen man Artikel erhalten möchte. Dadurch würden die Nachrichten in unserem Feedreader noch individueller und komplett anpassbar an die Bedürfnisse der Nutzer.

Ich nenne hier mal als Beispiel die Seite aptgetupdate.de. Der Titel-Zeile nach wird auf diesem Blog über “Mac, Linux, Technik, iPhone, News” geschrieben. In meinem Falle will ich aber nur Artikel zu Mac, Technik und News erhalten. Das wäre mit (meinem) RSS 3.0 möglich. Kauft man sich ein iPhone, aktiviert man im Feedreader einfach die Kategorie “iPhone” und schwupps - erhält man auch zu diesem Thema Artikel.

 

Inspiriert durch dieses Interview mit Internet-Guru Tim O’Reilly möchte ich noch kurz auf seine Prognose eingehen, dass die Software der Zukunft nicht mehr allein auf Tastatur und Klicks reagiert, sondern durch Sprachsteuerung und Gesichts - und Objekterkennung die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine auf ein völlig neues Level hebt.
Gerade das Stichwort Objekterkennung finde ich hier ausschlaggebend. Durch die immer höher werdenen Auflösungen von Kameras sehe ich hier großes Potenzial. Vielleicht wird dies ja das “next big thing” der Technik-Welt. Zumindest technisch sehe ich hier keine großen Hindernisse wenn man bedenkt, was bereits heute möglich ist (siehe die Software zur automatischen Stimmungserkennung (!) des Frauenhofer Institutes: CeBIT 2009, viertes Bild).

 

Weiterhin glaube ich, dass immer mehr Webapplications auf “collaborative editing” setzen, also Funktionen integrieren die es erlauben mit mehreren Leuten gleichzeitig an einer Mindmap, einem Text oder anderen Inhalten zu arbeiten. Startups haben es so schwer wie noch nie, da neue gute Ideen (soweit überhaupt noch welche vorhanden sind) sofort kopiert werden und in vielen verschiedenen Variationen umgesetzt werden, die je einen anderen Nutzer, bzw. Zielgruppe ansprechen. Durch die verschiedenen Bedürfnisse der Nutzer werden nur noch in Ausnahmen Dienste so großen Abstand zur Konkurrenz gewinnen, wie Skype, Amazon, Facebook oder Twitter es geschafft haben. (Bestes Beispiel dafür ist die Anzahl an URL-Kürzern a la TinyURL, tr.im, is.gd, usw…)

Was mir letztens noch aufgefallen ist, ist ein Trend weg von Nicknames hin zu echten Namen. Ich begrüße diese Entwicklung und hoffe, dass die Nutzer diese Neuerung akzeptieren und trotz teilweise berechtigten Datenschutz-Ängsten ihren echten Namen angeben. Zumindest in sozialen Netzwerken, wie meinVZ, XING oder auch Facebook ist das eigentlich unbedenklich und essentiell für den Erhalt der Netzwerke.

 

Fazit: Abschließend kann man sagen, dass die Ära des semantischen, intelligenten Webs schon längst begonnen hat. Ob damit auch gleich die Versionsnummer des Internets auf 3.0 springt oder erstmal nur als Bugfix Web 2.1 abgetan wird, darüber lässt sich streiten. Klar ist aber, dass nun Algorithmen gebraucht werden, die Text analysieren, taggen und zusammenfassen können. Software die jeden Nutzer individuell mit den Informationen versorgt, die er braucht. Filter, die aus den Aktionen des Nutzers lernen und unwichtige Informationen aus den Newsfeeds rauspicken. Was meint ihr? Ist das alles bereits Web 3.0?

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3 Kommentare on “Was bringt das Web 3.0?”

  • Also Web 3.0 ist meiner Meinung nach etwas hochgegriffen, wobei Web 2.1 auch nicht wirklich zutrifft. Die Bezeichnung Web 2.0 bezieht sich doch eigtl. auch eher auf den Wandel von statischem Inhalt zu dynamischen. Dem zu Folge kann es dabei zu keiner Weiterentwicklung dieses Begriffes kommen.

    Jetzt zu “Nanoblogging” - Kim? Du kennst ja meine Meinung bereits, aber für die Öffentlichkeit schreib ich das natürlich hier auch noch einmal. Wollen die uns hier alle nur noch verarschen? 26 statt 140 Zeichen, mit der Begründung, dass man doch gar nicht soviele Zeichen braucht…wenn ich weniger als 140 Zeichen brauch, dann schreib ich halt nur 47 oder 72 Zeichen. Ich hab noch nicht erlebt, dass Twitter zu mir sagt “Du hast zu wenige Zeichen in deinem Tweet. Bitte fülle noch 34 Zeichen hinzu!”. Flutter ist für mich wirklich nur als schlechter Witz anzusehen!

    Chris

  • [...] Beispiel für schlechtes Markup nehme ich jetzt mal den Artikel “Was bringt das Web 3.0?” aus meinem privaten Blog. Welcher Poweruser hat denn noch die Zeit und Lust, sich das alles [...]

  • Hi Kim, danke für dein Feedback zu Twick.it. Schade, jetzt sind wir schon so nah dran, an dem was du prophezeist.

    1. Semantisches Web
    2. Mehr Informationen in kleineren Häppchen
    3. Flüssigeres Surfen durch Echtzeit-Applikationen

    aber du willst unsere Erklärmaschine doch nicht nutzen.

    Kann ich dich wenigstens überreden unserer Facebook-Fangruppe beizutreten? Dann erfährst du sofort, sobald wir Ajax integriert haben. Auch das Webdesign von Twick.it wird noch mal optimiert. Dazu müssen wir aber erst mal weiteres Feedback (wie deines) sammeln. Immerhin sind wir noch in der Beta-Phase!

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